Mittwoch, 15. April 2015

Heilige Gedanken

Mich hat es vergangenen Sonntag seit Jahren mal wieder in einen Gottesdienst verschlagen.
Grund: Mein Patenkind hatte seine Erstkommunion.

Draußen war herrlichstes Wetter, die Sonne schien, die Vögel zwitscherten - ich hatte in der Vorwoche ausgelassen den ersten Ballerina-Tag des Jahres  begangen und nun kniete ich in einer harten Kirchenbank und vernebelte mir die Sinne mit Weihrauch (Teufelszeug!).


Und wie ich da so fast allein war mit Gott, da fiel mir wieder ein, warum ich Kirchen die letzten Jahre gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser (ok - die Teufelsmetaphern häufen sich irgendwie höchst unangebrachterweise). Wie sollte es auch anders sein: Panikattackenalarm!

Ich war nämlich mal Messdienerin (jaha!). Und habe da so ein ums andere Mal erlebt, wie es da andere Messdiener in den Weihrauchschwaden aus den Latschen gehauen hat. Unter anderem ist das zwei meiner Freundinnen passiert. Die eine kippte um und schmetterte diesen Gong mit zu Boden. Die andere fiel zusammen mit der Fahne, die sie halten sollte, um und schlug knapp neben dem Pfarrer auf. Beiden ist nichts Schlimmeres widerfahren, aber natürlich hat sich das unwiderruflich in mein Hirn eingebrannt. In der Kirche kann man ohnmächtig werden. Kirche ist ein gefährlicher Ort.

Interessanterweise hatte ich damals noch gar nicht so richtig diese Paniksache. Trotzdem war mir das Messdienen seit der ersten Ohnmächtigen in meiner Messdien-Schicht ein Graus und ich drippelte unter meiner Kutte von einem Bein auf das andere, um ja den Kreislauf bei Laune zu halten.
Natürlich wurde das auf die Dauer dann nix mit mir und dem Messdienen.

Letztendlich wurde das auf die Dauer auch nix mit mir und der Kirche. Aber damit hatten die Panikattacken mal ausnahmsweise nichts zu tun.

Wie ich nun also in dieser Kirchenbank kniete und auf der Lauer lag, ob die Panik wohl ein Orgelkonzert geben würde, da passierte es, dass ich dem Pfarrer kurz zuhörte. Er erzählte grade irgendwas von der Sonne und dass doch jeder Mensch wie ein Sonnenstrahl sein solle, der das Leben für alle in seiner Umgebung ein bisschen heller und schöner Macht. Den Gedanken fand ich toll. Was für ein schöner, wenngleich naiver Ansatz! Die Welt ein bisschen heller machen. Da ist doch was dran. Wenn wirklich jeder sich da bemühen würde, könnte das doch was werden. Wenn jeder dem anderen nur Gutes tun wollte.
Also Jesus, wenns ihn denn gegeben hat, hat schon gute Einfälle gehabt, das muss man der Kirche lassen. Also so im Kern. Die Sache mit Nächstenliebe find ich super zum Beispiel.
Der Pfarrer hat das auch toll rüber gebracht. Ich war regelrecht motiviert. So viel Selbstlosigkeit! Ich will auch ein Sonnenstrahl sein, dachte ich.

Aber dann flachte der Vortrag rapide ab. Der Pfarrer kam auf ein Programmheft zu sprechen, in dem kirchliche Aktivitäten drin stehen, die man auch nach der Erstkommunion noch machen kann, um "mit Jesus auch weiterhin befreundet zu bleiben". Aha. Doch nicht so selbstlos.
Man kann entweder im Kinderchor singen oder zu den Pfadfindern gehen. Oder Messdiener werden. Auf jeden Fall sei es aber wichtig, sagte der Pfarrer, dass man auch weiterhin in die Kirche geht. Denn "wo sonst" könne man denn "die schönen Geschichten aus der Bibel hören" wenn nicht dort.

Klar, der Pfarrer muss ja auch gucken, wo er bleibt. Aber irgendwie hatte Jesus vor meinem inneren Auge wieder so ein bisschen an Größe eingebüßt. Hatte für mich mehr so was von nem drolligen Kirchenmaskottchen plötzlich. Wieso muss ich denn zu den Pfadfindern gehen, damit Jesus mein Freund ist? Oder in die Kirche? Kann ich nicht auch so ein Sonnenstrahl sein? Fragen über Fragen.

Als ich dann nach etwa zwei Stunden nach draußen in die echten Sonnenstrahlen treten konnte, fiel mir auf, dass die befürchtete Kirchenpanikattacke ausgeblieben war. Ob das jetzt Gott war oder Jesus oder das Universum, der Zufall oder ich selbst - keine Ahnung.

Und ich vermerke im goldenen Büchlein der Angstlosigkeit: Kirchgang panikattackenlos gemeistert!

Halleluja!



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1 Kommentar:

  1. Bei deinem Eintrag fragte ich mich gerade ob noch niemand über Facebook versucht hat mit Jesus in kontakt zu treten. Ich missgönne es keinen, der den Halt der Kirche benötigt das es ihm gut geht. So soll es mit dem Glauben nämlich auch sein. Aber ich verstehe dich wenn bei einer Erstkommunion praktisch "Werbung" gemacht wird.
    Aber nimm das Positive daraus. Sei ein Sonnenstrahl (und ich weiss du bist es)

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Coco Caramba

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