Es gibt junge Menschen, die feiern ihren Auszug aus dem Elternhaus als endlich gewonnene Freiheit und weinen dem Kinderzimmer, aus dem sie geflohen sind, keine Träne nach.
Zu diesen jungen Menschen gehöre ich nicht. Nicht unbedingt.
Klar liebe ich es, mein eigenes Reich zu haben. Jeden Morgen neben meinem Freund aufzuwachen und "mein Ding" zu machen. Aber jeder neue Abschnitt im Leben bedeutet natürlich auch, etwas zurückzulassen.
Aber alles hat sein Gutes.
Etwas, was mir im neuen "Erwachsenenleben" oft sehr fehlt ist die Mutter-Tochter-Zeit. Zwei, drei Telefon-Dates die Woche sind oft nicht genug, wenn die Mutter auch eine der besten Freundinnen ist. Und leider ist es nun doch weiter zum gemeinsamen Kaffeekränzchen als nur die Treppe runter so wie früher.
Dafür sind Mutter-Tochter-Tage nun richtige Feiertage. Man muss nun eben mehr machen aus der gemeinsamen Zeit. Was - zweifellos - sein Gutes hat.
Einen solchen Mutter-Tochter-Tag hatten wir letzte Woche. Ich hatte einen Tag frei - und wir machten zusammen die Stadt unsicher.
Ein Mutter-Tochter-Tag wird bei uns standesgemäß mit einem ausgiebigen Frühstück eröffnet. Und weil wir uns ja so selten sehen, im Vergleich zu früher, gibt es nun auch Zuckerherzchen obendrauf.

Das Feiertagsoutfit für einen seltsam-unbeständigen Apriltag, der sich nicht so recht sicher sein wollte, ob er ein Frühlingstyp oder eher ein Herbsttyp ist: Schwarzes Kleid von H&M, rote Strickweste von Vila, Herzkette von Muttern und meine neuen hochgeliebten Blümchenstiefeletten.
Der Freund ist mäßig begeistert und ich gebe zu, es ist nicht das dezenteste Schuhwerk. Aber ich liebe die Treterchen sehr.
Dann in der Stadt - auf in die Shopping-Mall. Die Deko lässt einen vergessen, dass es draußen nicht so ganz megaschön ist. Im Vorbeigehen sacke ich zwei H&M-Haremshosen ein. Der Sommer wird ja wohl noch irgendwann kommen.
Ganz erschöpft vom vielen Shoppen, gibt es dann nach Stunden einen Zwischenstopp im Eis-Café. Das erste Maracuja-Eis des Jahres! Und dann gleich ein geschmacklicher Volltreffer. Gegenüber sitzt bei uns eine ältere Frau ganz alleine mit ihrem Cappuccino und einem riesigen Eisbecher und liest einen Roman. Wie herrlich - denke ich mir. Irgendwo zwischen den Generationen scheint diese Kaffeehauskultur verloren gegangen zu sein. Dabei entspanne ich mich schon, nur weil ich der Dame beim Entspannen zusehe. Man sollte sich viel öfter mal alleine mit einem Buch in ein Café trauen.
Das Café, das wir uns ausgesucht haben, hat sogar irgendwie was von "Damals". Und das trifft bei mir ja irgendwie einen Nerv. Ich hab einen Hang zu sachen, die - laut meinem Freund - "altbacken" sind. Ich sage dazu natürlich "vintage" ;-). Diese Blingbling-Lampe könnte ich mir zum Beispiel super in meinem "Boudoir" vorstellen - dem Teil des Schlafzimmers, der von den Kleidern, Schuhen und Accessoires dominiert wird.
Zum Aufwärmen nach dem Eis gibt es dann noch zwei Cappuccini. Wir haben natürlich viel zu erzählen. Ich wohne alleine mit einem Mann zusammen (gut - die Katzenmädels zwar, aber da gibts natürlich die Sprachbarriere), und Mama wohnt mit Papa und meinem Bruder zusammen - da muss man einiges nachholen, wenn man mal wieder nur unter Mädels ist.
Den Tag haben wir dann ganz unfein und gar nicht stylisch in Gammelklamotten auf der Couch mit chinesischem Essen beschlossen. Das Zuhause-Gefühl muss natürlich auch zelebriert werden, wenn ich schon mal wieder bei meinen Eltern bin. :)
Es ist nun über ein Jahr her, dass ich mein eigenes Heim habe. Am Anfang war es schwer und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte nie das ein oder andere Tränchen vergossen. Aber mittlerweile muss ich sagen: Ich habe das beste aus beiden Welten. Die Mutter-Tochter-Zeit ist jedes Mal so schön, dass ich davon noch eine Weile "zehren" kann und viele schöne Erinnerungen behalte.
Nun ist es ja nicht mehr lange hin bis Muttertag. Das wird wieder ein wunderbarer Mutter-Tochter-Tag werden, denke ich. Aber es wäre ja schade, sich auf einen Tag im Jahr zu beschränken.






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