Sonntag, 16. August 2015

Ausflug in die Wolken

Ein Herbsttag und das mitten im August. So hat sich das heute zumindest angefühlt. Es war kühl und nass, ohne dass es richtig geregnet hätte. Und wir waren heute ganz oben im Wald und mitten in den Wolken, die heute so tief hingen.

 Die tiefen Wolken haben so eine verdammt schöne verwunschen Märchennebellandschaft gezaubert, dass ich einfach fotografieren musste.









 Ich könnte mir die Bilder ständig angucken und würde mich nicht satt sehen. Die Stimmung im Wald war unglaublich cool. Und alle Geräusche klangen ein bisschen gedämpfter als sonst.


 Ein richtiger Herbstwald - mitten im Hochsommer.





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Samstag, 8. August 2015

Summerfeeling

Endlich wieder ein Sommer am See. Gerade liege ich auf unserer Decke im Sand mit Blick auf den See in der Abendsonne. Unglaublich entspannend.

In meiner Kindheit haben wir ganze Sommer am See verbracht. Sandburgen bauen, Pommes mit Ketchup und es gab dort dieses Bärcheneis mit der Kaugumminase. Wenn es ein rosa Kaugummi war, war es ein guter Tag.

Nach Jahren ohne Schwimmen am See haben der Freund und ich endlich wieder einen See in der neuen Heimat gefunden, der uns gefällt.

Entspannung pur. So sollte es jeden Tag sein.

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Freitag, 8. Mai 2015

Der Wunsch nach dem Kinderwunsch

Neulich sitze ich so bei meinem Arzt.
Er hinter seinem Schreibtisch, die Ellenbogen zwischen dem Gipsabdruck eines Lendenwirbels und einer ansehnlichen Spritzensammlung aufgestützt.
Ich ihm gegenüber mit einer Ladung Hepatitisimpfstoff im Arm.

Wir überlegen gemeinsam, welche Impfungen ich mir in nächster Zeit noch in die Blutbahn jagen sollte.
"Masern/Mumps/Röteln!" schlage ich vor.

Und dann - völlig unvermittelt - als ob mir jemand unerwartet eine zweite Hepatitisspritze in den Rücken rammt fragt der Arzt: "Wollen Sie Kinder?"

Ich mein, klar, Röteln und so, weiß man ja, dass das nicht gut ist bei ner Schwangerschaft. Trotzdem ist mein Misstrauen geweckt. Ich antworte, betont lässig: "Irgendwann ....?" und lasse das so als Frage im Raum schweben. Das soll ausdrücken, dass ich keinen akuten Kinderwunsch hege, mir aber die Möglichkeit für einen Tag in ferner Zukunft offen lasse.

Und schon sitzt die nächste imaginäre Spritze in meinem Nacken:
"IRGENDWANN!!! Sie sind 27! Mit 35 Kinder kriegen ist nicht optimal!"

Ou. Kay.

Das war für mich eine Premiere. Ich bin daran gewöhnt, dass man mich für jung hält. ICH halte mich für jung. Klar, hab ich schon Texte von kessen Frauen Mitte 30 mit der Aussage "Pah, ich habe keine Lust auf Kinder und fühl mich gut dabei" gelesen. Hab aber bislang nicht so wirklich geglaubt, dass das auch mein Thema sein könnte.
Hat man mit 27 einen Kinderwunsch zu hegen? Gehört man zu denen, die nie Kinder haben, wenn man mit 27 noch keine Kinder will? Sind die Mitte- bis Endzwanziger so die Zeit im Leben einer Frau, in der sich die Spreu vom Weizen bzw. die Muttertiere von den Karriereweibchen trennt (Wenn wir mal davon ausgehen, dass die wenigsten WIRKLICH sowohl Vollzeitmama als auch Karriereweibchen sein können)?
Hat sich gerade ein kurzes und filigranes Zeitfenster geöffnet, in dem man einen Kinderwunsch haben muss, oder man bleibt für immer kinderlos?

Hm.

Also wenn dem so ist, war mir das nicht klar.

Und ich hab auch gar keine Zeit, mir da dezidiert Gedanken zu machen, denn mein Arzt ist grade ganz von der Rolle.
"Die jungen Leute heutzutage meinen immer, sie geben ihre Freiheit auf, wenn sie Kinder kriegen. HA! Freiheit!" (Bei "Freiheit" verstellt er die Stimme und zieht die Mundwinkel nach unten als sei das was Ekliges.)
Und dann: "Die WAHRE Freiheit ist, die Verantwortung zu haben, sich um so ein GESCHÖPF kümmern zu dürfen!"

Es folgt eine längere Passage, in der er mir und dem Freund - der übrigens neben mir sitzt, allerdings seit dem Beginn des Kinderthemas zur Salzsäule erstarrt ist - seine beiden Sprösslinge ausführlich beschreibt.

Eine Weile später werden wir entlassen mit den Worten "Sie haben ja noch ein paar Impfungen vor sich. Da werd ich Sie schon noch überzeugen!"

Ich weiß, dass mein Arzt einen an der Klatsche hat. Aber deswegen mag ich den ja eigentlich so. Die Arztpraxis ist für mich nämlich auch Panikattackenterrain, da ist es ganz praktisch, wenn der Doc die Stimmung ein bisschen auflockert.

Locker bin ich allerdings nicht, als ich nach diesem Gespräch die Praxis verlasse.
Ich frage mich ernsthaft, ob ich jetzt Mutter werden wollen soll, wenn ich jemals Mutter werden will.

Ein Wendepunkt in meinem Leben.
Bislang war ich so eine, die aufgeregt die leeren Bläschen in ihrem rosa Antibabypillenblister gezählt hat, vor lauter Angst, sie könnte eine vergessen haben. (Katastrophe! Ein Baby! Damit verbaut man sich ja die ganze Zukunft! Was sollte nur aus mir werden!)

Zuhause werde ich von einer Freundin sehr rasch telefonisch getröstet. Es sei doch gar nicht schlimm, wenn man keine Kinder will. Kinder sind nun mal nicht für jeden die Erfüllung.

Hat sie ja recht.

Aber was ist denn, wenn man Kinder will - nur noch nicht JETZT?  Und wenn "jetzt" bedeutet "man ist 27"?

Das Dilemma ist nämlich Folgendes: Wenn ich an mich selber in 40 Jahren denke (ich bin 67), dann lächle ich selig bei der Vorstellung, wie ich im Schaukelstuhl meinen Enkeln Geschichten vorlese. Aber ich kann mir mich nicht als kinder- und enkellose 67-jährige vorstellen. Das fänd ich schlimm.

Genausowenig kann ich mir aber momentan vorstellen, wie ich in 10 Jahren (ich bin 37) im Schaukelstuhl meinen Kindern Geschichten vorlese.

Dabei ist doch klar, dass man zum Enkelhaben erst mal Kinder haben muss.
Verzwickte Lage.

Einer anderen Freundin klage ich ebenfalls mein Leid. Erzähle ihr aber vollmundig von meinen Plänen, die ich vorm Kinderkriegen noch erreichen will. Dabei spielt Reisen eine Hauptrolle. Die Art Reise, die einen nicht in ein nettes All inclusive-Hotel mit Mini-Club und durchgetaktetem Animationsprogramm führt. Zum Beispiel Bali.
Meine Freundin hat jedoch nur ein schiefes Lächeln für mich übrig: Ich würde doch sowieso niemals zufrieden sein und sagen "So, jetzt setze ich mich zur Ruhe, denn ich habe alles erreicht."

Hat sie ja recht.

Und was ist die Alternative?

Einer meiner Kollegen hat sich mit 35 Jahren mit seiner Frau ein Reihenendhaus gekauft und Zwillinge bekommen, weil er sich gesagt hat "Entweder bekommen wir jetzt Kinder oder nie." Und sie bekamen Kinder. Beklagen tut er sich niemals. Aber ist er glücklich? Müde ist er zumindest oft. Und er braucht über ne Stunde zur Arbeit, weil das Reihenendhaus nur in einem ganz winzigen Kaff ganz weit weg erschwinglich war. Aber immer wenn er von seinen beiden kleinen Töchtern spricht, kriegt er leuchtende Augen.

Eine andere Freundin von mir wird dieses Jahr noch ein Baby kriegen. War nicht ganz so geplant. Vor einigen Monaten haben wir noch darüber gesprochen, ob sie und ihr Verlobter tatsächlich schon heiraten wollen. Sie wäre gerne noch ein bisschen gereist, auch gerne nochmal so richtig lange im Ausland gewesen. Nun ist sie schwanger. Die Hochzeit ist jetzt eh nur noch Formsache und fürs nächste Frühjahr angesetzt und gerade suchen sie ein Einfamilienhaus. Und obwohl ich im ersten Moment dachte "Ohweh, wenn mir das passiert wäre!", ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich ein bisschen neidisch bin. Sie strahlt neuerdings so eine Ruhe aus.

Und dann gibt es noch dieses befreundete Pärchen mit der Dreijährigen. Ich finde die Kleine fies. Sie schlägt einen und tut immer das Gegenteil von dem, was sie soll und macht Dinge kaputt. Ihre Mama ist fertig mit den Nerven und lechzt immer nach den wenigen Abenden, die wir uns mal freischaufeln können. Und ich bin immer schon ganz fertig mit den Nerven, wenn ich mit der Kleinen längere Zeit im selben Raum bin und ich denke mir: Das könnte ich nie.
Wenn wir dann wieder allein sind, der Freund und ich, fallen wir uns immer glücklich in die Arme und freuen uns, dass wir keine Eltern sind.

Aber heißt das, dass wir vielleicht nie Eltern werden (wollen)?

Wieder eine andere Freundin steckt mir direkt, dass sie einfach findet, ich und der Freund seien noch nicht reif genug für Kinder. Ich muss einen kurzen Moment überlegen, ob ich beleidigt bin.
Bin ich nicht. Reife bedeutet ja letztendlich, dass ich mich in einer Entwicklung befinde, die womöglich noch nicht abgeschlossen ist. Das heißt mein Kinderwunsch kann noch reifen (solang meine Eierstöcke nicht so viel schneller reifen, dass die schon Fallobst sind, wenn ich mal Kinder will).

Und dann sind wir am selben Abend noch zu Besuch bei einem Freund, dessen Katze am Tag zuvor drei Kätzchen zur Welt gebracht hat.
Und mir schießt fast instant die Milch ein und die Mutterhormonproduktion läuft auf Hochtouren. Menschenbabys haben das bisher jedenfalls noch nicht geschafft, aber gut zu wissen, dass es theoretisch funktioniert.

Also zur Not kann ich ja in 40 Jahren immer noch im Schaukelstuhl sitzen und kleinen Katzen was vorlesen - das funktioniert auf jeden Fall. Schrullige Katzenomas sind sowieso viel besser als ihr Ruf.







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Mittwoch, 29. April 2015

Panik im Fitnessstudio oder "Run Forrest Run"

Mit den Panikattacken ist es ja so eine Sache.
Es ist eigentlich zum Kaputtlachen - wenn man mal so ehrlich ist. Dafür muss ich kurz ausholen (Moment ... )

Du befindest dich in einer vollkommen normalen Alltagssituation und plötzlich packt es dich von hinten an der Kehle und du denkst "Verdammt es geht zu Ende - ich habs doch gewusst". Untermalt wird das ganze von einer Symphonie körperlicher Symptome, die deine brilliant zusammenkomponierte Theorie - nämlich die vom bevorstehenden Exodus - erst so richtig ins rechte Licht rücken.

In meinem Fall sind da Herzrasen, kalter Schweiß, Schwindel und verschwommene Sicht (wenns ganz hart kommt) die Mittel der Wahl. Manchmal experimentiere ich auch mit kribbeligen Extremitäten und Ohrensausen. Ein absoluter Evergreen ist zudem der Kloß im Hals.

Dieses bunte Potpourri an (Todes)Qualen spult mein Körper also immer gerne ab, wenn mein Hirn den Einsatz gibt. Und das Orchester ist so gut geübt, dass mein Hirn nicht mal den Taktstock heben muss, um das Stück in Gang zu bringen. Ein kurzes Zucken mit der Augenbraue reicht da schon mittleweile - ein gut eingespieltes Team der Hirndirigent und das Körperorchester.

Das Augenbrauenzucken ist dann ein Gedanke oder eine Situation oder sonst was Belangloses. Aber es reicht, um das Orchester dazu zu bringen, die ganze komplette Paniksymphonie vom Stapel zu lassen.

Bei mir gibt es da so ein paar Grundängste, die da gut funktionieren. Werden die dann durch irgendeinen komischen Zufall antouchiert, geht's rund.

Was bei mir so gar nicht geht, sind Leute, die ohnmächtig werden.
(Ich weiß, das klingt fies. Die armen Ohnmächtigen können ja auch nix dafür.)
Weil mir das selber nämlich ganz dolle widerstrebt. Da wirds einem dann schwarz vor Augen, du verlierst voll die Kontrolle, fällst um wie ein Baum - und alle sehen es. Und dazwischen kann einem ja allerhand Kompromittierendes geschehen (ich sag's euch).

Das ist so ne Angst.

Dann gibt es aber auch so Situationen. Vor denen hat man an sich nicht Angst, aber irgendwann wollte es der Zufall mal, dass das Panikorchester ein kurzes Gastspiel in dieser Situation gegeben hat und seitdem fühlt man sich da nicht so recht wohl drin. Also in der Situation.

Und jetzt komm ich zum Punkt: Eine solche Situation ist bei mir das Fitnessstudio.

Es darf gelacht werden. Denn ja - an dem Ort, an dem Menschen etwas für ihre Gesundheit tun, bekomme ich hin und wieder Angst um mein Leben.
Vorzugsweise auf diesen furchtbaren Fahrrädern. Auf so einem hatte ich meine erste Panikattacke ever. Und seitdem sind mir die Dinger nicht mehr so geheuer.

Ich hab seitdem auch lange einen Bogen ums Fitnessstudio gemacht (und um diese Teufelsräder). Aber mein Gott - so kanns ja nicht ewig weiter gehen. Hab ich mir gedacht. Und mich vor etwa einem Jahr wieder im Fitnessstudio angemeldet.

Hab mir extra ein wenig Besorgniserregendes ausgesucht. Das sieht so spa-mäßig aus mit vielen Grünpflanzen, viel Platz (Klaustrophobie olé), beruhigender Deckenbeleuchtung und angenehmen Klängen aus unsichtbaren Lautsprechern. Außerdem gehen da alle Arten von Menschen hin. Nicht nur die Arnold-Schwarzeneggers-Next-Generation, die dich wie Luft behandeln und die Jane-Fondas-Next-Generation, von denen du dir wünschst, sie würden dich wie Luft behandeln und dich nicht so offensichtlich-entsetzt anstarren wie du da deinen untrainierten Hintern auf dem Crosstrainer unvorteilhaft nach links und rechts bewegst.
Da gehen eben auch andere hin. Ältere Leute, rappeldürre Leute, total dicke Leute und solche wie ich halt.

Am Anfang war da auch alles gut. Ich war regelrecht begeistert und hochambitioniert. Sogar das Teufelsrad bestieg ich regelmäßig.

Und dann ließ ich mir so ne voll tolle Trainingspulsuhr aufschwatzen.

Dieses Unding interagiert mit den Fitnessgeräten. Mein Puls erscheint mir in roten Lettern mit einem daneben hilflos blinkenden Herz-Symbol auf einem Display direkt vor meinen Augen, während ich trainiere, sodass ich sekündlich checken kann, ob mein Herz gleich explodiert. Und der Supergau: Das Teufelsrad gibt einen Piepston von sich, wenn der Puls die Schallmauer von 155 durchbricht (Das Rad bezeichnet das als Wechsel von "Optimum" zu "High"). Klingt wie die Puls-Piepsgeräte, an die dem Tode nahe Patienten in Krankenhäusern angeschlossen werden. Ich kann jedes Mal schon die Nulllinie hören. Piep Piep Piiiiiieeeeeeep. Tot.

Wir zählen also zusammen: Fitnessstudio + Teufelsrad + beschleunigter Herzschlag + Gerät, das einen Alarm abgibt bei beschleunigtem Herzschlag.
Das Ergebnis ist absehbar: Das Panikorchester lässt es richtig krachen und mehrere Orchestermitglieder headbangen dazu - also volles Programm.

Praktisch für die Fitness allerdings: Das Adrenalin verleiht dir ungeahnte Superkräfte und man tritt so schnell in die Pedale, dass man von der Seite aussieht wie der Roadrunner.

Aber trotzdem: Für die Pulsuhr und mich konnte es keine Zukunft geben. Wir machen im Moment eine Beziehungspause.

Damit ist die Gefahr jedoch leider nicht gebannt, wie ich erst gestern feststellen musste.

Ich saß auf dem Höllenrad und trat in die Pedale. Links und rechts von mir bestiegen plötzlich beide Teile eines älteren Ehepaars die Räder und unterhalten sich über meinen Kopf hinweg. An sich schon nervig.
Irgendwann kam noch der Trainer dazu und mischte sich mit ins Gespräch ein. Und erzählt, wie vor wenigen Tagen vorne an der Shakebar ein junger Mann "zack bumm" umgekippt ist.
"Da hab ich sowas Dumpfes gehört".
Ja.
Und schon gings los. Umkippende Menschen.
Und das Ehepaar steigt voll drauf ein. Der Mann vom Ehepaar würde auch oft ohnmächtig.
"Das sehe ich ihm vorher schon an, da wird der immer ganz grau." (Grau! Zombis sind grau!)
Und ich mittendrin der Roadrunner am Durchdrehen. Grässlich, dass dieses Rad sich nicht von der Stelle bewegt.

Der Mann ergeht sich in detaillierte Ausführungen darüber, wie es ist, wenn man ohnmächtig wird. Die Frau ergänzt das Bild durch die Sicht als Augenzeugin. Und der Trainer bestätigt immer wieder wie schrecklich das ist.

Ein Glück nur, dass ich die Pulsuhr nicht an hatte und das Rad nicht piepen konnte. Hätte sich wahrscheinlich angehört wie eine missachtete Einparkhilfe. Piep Piep Pippipipipip Pippippipppppiipppippippiip Pieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep. Tot.

Man ringt dann immer so mit sich. Weil man soll ja in der Paniksituation nicht die Flucht ergreifen.

Nachdem ich die Zeit, die ich mir vorgenommen hatte, abgestrampelt hatte, konnte ich dann dafür in meinem imaginären goldenen Buch vermerken:

Teufelsrad in Kombination mit Ohnmachtsgesprächen erfolgreich überlebt.
Tschakka!

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Dienstag, 28. April 2015

Mobbing trifft nicht nur die Schwachen

So meine Lieben, endlich haben es auch ein paar kluge Köpfe in einer Studie belegt: Mobbing kann schlimmer sein als körperliche Gewalt. Schreibt heute SPIEGEL online und bezieht sich dabei auf eine im Fachblatt "Lancet" publizierte Studie zu diesem Thema.

Demnach hat ein_e 18-Jährige_r eine 13-prozentige Wahrscheinlichkeit eine Angststörung auszubrüten, wenn er_sie in seiner_ihrer Teenager- und Kinderzeit von Gleichaltrigen gemobbt wurde. Hat der_die Unglückliche "nur" Misshandlungen erlebt, hat er_sie "lediglich" eine 10-prozentige Chance in den Genuss einer Angsterkrankung zu kommen. Oder einer Depression. Oder sonstigen Späßen. Ja fein!

Ich war auch so eine 18-Jährige mit Mobbingvergangenheit, die kurz nach ihrer Volljährigkeit die unvergleichliche Erfahrung ihrer ersten Panikattacke (von vielen) machen durfte. Fast schon tröstlich nun zu wissen, dass die Wahrscheinlichkeit recht hoch war, dass mir das passiert und das nicht einfach daran lag, dass ich "nun mal labil" war.
Denn um ehrlich zu sein: Ich war eigentlich kein besonders sensibles Kind und eigentlich auch kein "prädestiniertes" Mobbingopfer.

In der Therapie werden solche Sachen natürlich aufgearbeitet. Packt man in der Sitzung seine Mobbing-Vergangenheit aus, kann man förmlich sehen, wie es im Gesicht des Psychologen_der Psychologin "Bingo" macht. Es kommt nun mal nicht von ungefähr. Aber man verzweifelt an der ewigen Frage "Warum ich?". Denn es gibt darauf einfach keine plausible Antwort.

Problematisch ist - und ich kann natürlich nur aus persönlicher Erfahrung sprechen - dass es einen in einem Lebensabschnitt trifft, in dem man erst ganz am Anfang der Selbstreflexion steht. Als Kind macht man sich nur wenige Gedanken über sich selbst. Das mit dem Selbstzerfleischen ist da noch nicht so das Thema. Man wird also 12, 13 Jahre alt, nimmt irgendwie zur Kenntnis, dass man sich zu verändern beginnt, fragt sich, was das wohl zu bedeuten hat - und trifft unvermittelt auf eine Masse Gleichaltriger, die dich ansehen und alle zum gleichen Schluss kommen:

Du bist hässlich.
Du bist fett.
Du bist einfach grundsätzlich scheiße.

Was du aber wirklich bist: Du bist 13 Jahre alt. Und du denkst dir: "Wenn die alle das gleiche sagen, muss es ja stimmen." Und dann geht der Spaß los.

Du versuchst es ab jetzt "richtig" zu machen, damit das Urteil der überwältigenden Mobber-Mehrheit milder über dich ausfällt. Ein Kampf gegen Windmühlen. Auf einen ruhigen Tag folgt ein weiterer Spießrutenlauf. Vielleicht hattest du einen Pullover an, der den anderen aufgefallen ist. Oder du hast dir im Unterricht einen Versprecher geleistet und hörst sie aus den hinteren Reihen kichern. Vielleicht hast du jemanden zu lange angeschaut. Oder du hast eine neue Hose an. Alles kann dir zum Fallstrick werden und den anderen neue Gelegenheit zum Lästern geben.
Und das Problem ist: Die wollen ja gar nicht, dass du es "richtig" machen kannst, aber das geht natürlich nicht in deine unsichere 13-jährige Birne. Du glaubst naiv an die Objektivität der Masse. Und die objektive Masse hämmert dir wiederholt ins Hirn: 

Du bist hässlich.
Du bist fett.
Du bist einfach grundsätzlich scheiße.

Mit solchen Gedanken erwachsen zu werden ist nicht gut. Das kann ja auch nix werden. Dafür muss man nicht besonders schwach oder sensibel veranlagt sein. Es ist ein Lernprozess. Wenn du jeden Tag die Schulbank drückst, bleibt mit der Zeit auch beim unwilligsten Schüler etwas hängen.

Ich habe meine Teenagerzeit mit dem stetigen Bemühen verbracht, möglichst wenig negativ aufzufallen - also möglichst gar nicht aufzufallen. Ich habe mir nach Schulschluss nur einen grünen Apfel genehmigt - und habe mich selbst fertig gemacht, wenn der Hunger mal größer war. Habe mich zu Hause versteckt, weil ich nicht wollte, dass mich Menschen auf der Straße sehen. Ich bildete mir ein, Mitleid in den Gesichtern fremder Menschen zu sehen, weil ich ja so hässlich war. 

Bald haftete mir von Lehrerseite der Eindruck an ich sei schüchtern.
Ich war nicht schüchtern - ich war still. Und das mit Absicht. Und wenn ich gekonnt hätte, wäre ich am liebsten unsichtbar gewesen. 

Nach drei Jahren war es plötzlich vorbei. Einfach so. Die, die mich die Jahre zuvor beschimpft und gemobbt hatten, taten plötzlich so, als wäre nichts gewesen. Sie taten nicht nur so - für sie war es nichts. Die Aufmerksamkeit hat sich anderen Dingen zugewandt - Thema abgehakt.
Nur für mich war das Thema nie abgehakt. Das geistige Sich-Selbst-Ohrfeigen führte ich ab diesem Zeitpunkt nur allein weiter. Das Denkmuster war ja vertraut.

Ich wurde nie körperlich misshandelt - nicht ein Mal in dieser Zeit. Aber die Worte, die Gesten, die Blicke haben etwas mit mir gemacht.

Das Ganze saß so tief, dass es ein paar Jahre dauerte, bis mir das Ganze um die Ohren flog. In der Zwischenzeit hatte ich ein paar Erfahrungen mit Jungs gesammelt, die mir alles andere als gut taten. Man war ja froh, wenn einen jemand irgendwie gut fand. Denn ganz pragmatisch weiß man ja, dass man nicht die besten Voraussetzungen hat, um einen "Guten" kennenzulernen.

Mit 18 hatte ich mein Leben dann im Griff. Ich war volljährig, hatte den Führerschein und hatte gerade die unvergleichliche Erfahrung gemacht, dass ich selbst Verträge abschließen konnte und hatte mich im Fitnessstudio angemeldet. Eigentlich war ich mit mir im Reinen, fand mich sogar gar nicht mehr so hässlich. War verliebt und hatte das ziemlich sichere Gefühl, dass er auch Interesse hatte - ein "Anständiger".

Und dann passiert es plötzlich. Gerade tritt man im Spinning-Kurs motiviert in die Pedale, als einem plötzlich die Sicht verschwimmt. Es wird einem schwindelig, das Herz rast, die Hände werden eiskalt und schwitzig und man weiß mit einem Mal "Ich sterbe jetzt."
Man stirbt aber nicht. Man hat eine Panikattacke. Man hat eine Angststörung.

Die Jungs und Mädels von damals, die so objektiv den Stab über meinem 13-jährigen Ich gebrochen hatten, hatten das längst vergessen, dachten keine Sekunde lang mehr an mich. Aber ich dachte jeden Tag an sie, an jeden Einzelnen. Immer wenn ich in den Spiegel sah, sahen sie mich durch meine Augen ebenfalls an und fällten ihr Urteil. Immer und immer wieder.

Das sind Wunden, die keiner sieht. Die, die sie dir zufügen, sehen sie nicht und du selbst siehst sie nicht. Aber wenn man das Pech hat zu den bedauernswerten 13 Prozent der 18-jährigen ehemaligen Mobbingopfer zu gehören, dann lernt man die Mobbingwunden irgendwann in Form von Angststörungen kennen.

Bingo.

Die gute Nachricht ist: Man kann auch an einer Angststörung wachsen. Man muss vielleicht sogar.
Das ist auch ein Lernprozess.

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Samstag, 25. April 2015

Mutter-Tochter-Tag

Es gibt junge Menschen, die feiern ihren Auszug aus dem Elternhaus als endlich gewonnene Freiheit und weinen dem Kinderzimmer, aus dem sie geflohen sind, keine Träne nach.
Zu diesen jungen Menschen gehöre ich nicht. Nicht unbedingt.
Klar liebe ich es, mein eigenes Reich zu haben. Jeden Morgen neben meinem Freund aufzuwachen und "mein Ding" zu machen. Aber jeder neue Abschnitt im Leben bedeutet natürlich auch, etwas zurückzulassen. 
Aber alles hat sein Gutes.

Etwas, was mir im neuen "Erwachsenenleben" oft sehr fehlt ist die Mutter-Tochter-Zeit. Zwei, drei Telefon-Dates die Woche sind oft nicht genug, wenn die Mutter auch eine der besten Freundinnen ist. Und leider ist es nun doch weiter zum gemeinsamen Kaffeekränzchen als nur die Treppe runter so wie früher.

 Dafür sind Mutter-Tochter-Tage nun richtige Feiertage. Man muss nun eben mehr machen aus der gemeinsamen Zeit. Was - zweifellos - sein Gutes hat.
Einen solchen Mutter-Tochter-Tag hatten wir letzte Woche. Ich hatte einen Tag frei - und wir machten zusammen die Stadt unsicher.

Ein Mutter-Tochter-Tag wird bei uns standesgemäß mit einem ausgiebigen Frühstück eröffnet. Und weil wir uns ja so selten sehen, im Vergleich zu früher, gibt es nun auch Zuckerherzchen obendrauf.


Das Feiertagsoutfit für einen seltsam-unbeständigen Apriltag, der sich nicht so recht sicher sein wollte, ob er ein Frühlingstyp oder eher ein Herbsttyp ist: Schwarzes Kleid von H&M, rote Strickweste von Vila, Herzkette von Muttern und meine neuen hochgeliebten Blümchenstiefeletten.


Der Freund ist mäßig begeistert und ich gebe zu, es ist nicht das dezenteste Schuhwerk. Aber ich liebe die Treterchen sehr.

 Dann in der Stadt - auf in die Shopping-Mall. Die Deko lässt einen vergessen, dass es draußen nicht so ganz megaschön ist. Im Vorbeigehen sacke ich zwei H&M-Haremshosen ein. Der Sommer wird ja wohl noch irgendwann kommen.


Ganz erschöpft vom vielen Shoppen, gibt es dann nach Stunden einen Zwischenstopp im Eis-Café. Das erste Maracuja-Eis des Jahres! Und dann gleich ein geschmacklicher Volltreffer. Gegenüber sitzt bei uns eine ältere Frau ganz alleine mit ihrem Cappuccino und einem riesigen Eisbecher und liest einen Roman. Wie herrlich - denke ich mir. Irgendwo zwischen den Generationen scheint diese Kaffeehauskultur verloren gegangen zu sein. Dabei entspanne ich mich schon, nur weil ich der Dame beim Entspannen zusehe. Man sollte sich viel öfter mal alleine mit einem Buch in ein Café trauen.

 Das Café, das wir uns ausgesucht haben, hat sogar irgendwie was von "Damals". Und das trifft bei mir ja irgendwie einen Nerv. Ich hab einen Hang zu sachen, die - laut meinem Freund - "altbacken" sind. Ich sage dazu natürlich "vintage" ;-). Diese Blingbling-Lampe könnte ich mir zum Beispiel super in meinem "Boudoir" vorstellen - dem Teil des Schlafzimmers, der von den Kleidern, Schuhen und Accessoires dominiert wird.


Zum Aufwärmen nach dem Eis gibt es dann noch zwei Cappuccini. Wir haben natürlich viel zu erzählen. Ich wohne alleine mit einem Mann zusammen (gut - die Katzenmädels zwar, aber da gibts natürlich die Sprachbarriere), und Mama wohnt mit Papa und meinem Bruder zusammen - da muss man einiges nachholen, wenn man mal wieder nur unter Mädels ist.


Den Tag haben wir dann ganz unfein und gar nicht stylisch in Gammelklamotten auf der Couch mit chinesischem Essen beschlossen. Das Zuhause-Gefühl muss natürlich auch zelebriert werden, wenn ich schon mal wieder bei meinen Eltern bin. :)

Es ist nun über ein Jahr her, dass ich mein eigenes Heim habe. Am Anfang war es schwer und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte nie das ein oder andere Tränchen vergossen. Aber mittlerweile muss ich sagen: Ich habe das beste aus beiden Welten. Die Mutter-Tochter-Zeit ist jedes Mal so schön, dass ich davon noch eine Weile "zehren" kann und viele schöne Erinnerungen behalte.

Nun ist es ja nicht mehr lange hin bis Muttertag. Das wird wieder ein wunderbarer Mutter-Tochter-Tag werden, denke ich. Aber es wäre ja schade, sich auf einen Tag im Jahr zu beschränken.

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Mittwoch, 15. April 2015

Heilige Gedanken

Mich hat es vergangenen Sonntag seit Jahren mal wieder in einen Gottesdienst verschlagen.
Grund: Mein Patenkind hatte seine Erstkommunion.

Draußen war herrlichstes Wetter, die Sonne schien, die Vögel zwitscherten - ich hatte in der Vorwoche ausgelassen den ersten Ballerina-Tag des Jahres  begangen und nun kniete ich in einer harten Kirchenbank und vernebelte mir die Sinne mit Weihrauch (Teufelszeug!).


Und wie ich da so fast allein war mit Gott, da fiel mir wieder ein, warum ich Kirchen die letzten Jahre gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser (ok - die Teufelsmetaphern häufen sich irgendwie höchst unangebrachterweise). Wie sollte es auch anders sein: Panikattackenalarm!

Ich war nämlich mal Messdienerin (jaha!). Und habe da so ein ums andere Mal erlebt, wie es da andere Messdiener in den Weihrauchschwaden aus den Latschen gehauen hat. Unter anderem ist das zwei meiner Freundinnen passiert. Die eine kippte um und schmetterte diesen Gong mit zu Boden. Die andere fiel zusammen mit der Fahne, die sie halten sollte, um und schlug knapp neben dem Pfarrer auf. Beiden ist nichts Schlimmeres widerfahren, aber natürlich hat sich das unwiderruflich in mein Hirn eingebrannt. In der Kirche kann man ohnmächtig werden. Kirche ist ein gefährlicher Ort.

Interessanterweise hatte ich damals noch gar nicht so richtig diese Paniksache. Trotzdem war mir das Messdienen seit der ersten Ohnmächtigen in meiner Messdien-Schicht ein Graus und ich drippelte unter meiner Kutte von einem Bein auf das andere, um ja den Kreislauf bei Laune zu halten.
Natürlich wurde das auf die Dauer dann nix mit mir und dem Messdienen.

Letztendlich wurde das auf die Dauer auch nix mit mir und der Kirche. Aber damit hatten die Panikattacken mal ausnahmsweise nichts zu tun.

Wie ich nun also in dieser Kirchenbank kniete und auf der Lauer lag, ob die Panik wohl ein Orgelkonzert geben würde, da passierte es, dass ich dem Pfarrer kurz zuhörte. Er erzählte grade irgendwas von der Sonne und dass doch jeder Mensch wie ein Sonnenstrahl sein solle, der das Leben für alle in seiner Umgebung ein bisschen heller und schöner Macht. Den Gedanken fand ich toll. Was für ein schöner, wenngleich naiver Ansatz! Die Welt ein bisschen heller machen. Da ist doch was dran. Wenn wirklich jeder sich da bemühen würde, könnte das doch was werden. Wenn jeder dem anderen nur Gutes tun wollte.
Also Jesus, wenns ihn denn gegeben hat, hat schon gute Einfälle gehabt, das muss man der Kirche lassen. Also so im Kern. Die Sache mit Nächstenliebe find ich super zum Beispiel.
Der Pfarrer hat das auch toll rüber gebracht. Ich war regelrecht motiviert. So viel Selbstlosigkeit! Ich will auch ein Sonnenstrahl sein, dachte ich.

Aber dann flachte der Vortrag rapide ab. Der Pfarrer kam auf ein Programmheft zu sprechen, in dem kirchliche Aktivitäten drin stehen, die man auch nach der Erstkommunion noch machen kann, um "mit Jesus auch weiterhin befreundet zu bleiben". Aha. Doch nicht so selbstlos.
Man kann entweder im Kinderchor singen oder zu den Pfadfindern gehen. Oder Messdiener werden. Auf jeden Fall sei es aber wichtig, sagte der Pfarrer, dass man auch weiterhin in die Kirche geht. Denn "wo sonst" könne man denn "die schönen Geschichten aus der Bibel hören" wenn nicht dort.

Klar, der Pfarrer muss ja auch gucken, wo er bleibt. Aber irgendwie hatte Jesus vor meinem inneren Auge wieder so ein bisschen an Größe eingebüßt. Hatte für mich mehr so was von nem drolligen Kirchenmaskottchen plötzlich. Wieso muss ich denn zu den Pfadfindern gehen, damit Jesus mein Freund ist? Oder in die Kirche? Kann ich nicht auch so ein Sonnenstrahl sein? Fragen über Fragen.

Als ich dann nach etwa zwei Stunden nach draußen in die echten Sonnenstrahlen treten konnte, fiel mir auf, dass die befürchtete Kirchenpanikattacke ausgeblieben war. Ob das jetzt Gott war oder Jesus oder das Universum, der Zufall oder ich selbst - keine Ahnung.

Und ich vermerke im goldenen Büchlein der Angstlosigkeit: Kirchgang panikattackenlos gemeistert!

Halleluja!



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Donnerstag, 9. April 2015

Unterwegs in der Heimat

Auch wenn ich vor etwa eineinhalb Jahren für die Liebe (ok und für den Beruf auch) die Rheinseite gewechselt habe, hängt mein Herz doch sehr an der schönen Pfalz. Viele der Orte, an denen ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht habe, gehören nach wie vor zu meinen Lieblingsplätzen. Und wenn ich heute mal Gelegenheit finde auf einen Besuch in der schönen Pfalz vorbei zu schauen, ist es mir ein ganz besonderes Fest. Eine solche Gelegenheit bot sich am Ostersonntag. Standesgemäß ging es nach dem Osterfrühstück mit der Familie auf einen Sonntagsausflug wie aus Kindertagen. Wir starteten unsere Tour in Neustadt an der Weinstraße - in dem Stadtteil mit den Prachtbauten. Ich habe einen ausgesprochenen Faible für imposante Häuser - und in Neustadt fanden sich einige dankenswerte Fotomotive zum Staunen. Allen voran dieses Märchenschloss:



Ich kann dann auch gar nicht anders als mir auszumalen, wer in so einem Heim wohl hausen könnte oder wie es wäre, selbst so ein Domizil zur Verfügung zu haben. Und ich schwöre euch, ich sah mich schon mit einem guten Buch in diesem kleinen Pavillon sitzen und wohlgefällig ins Land blicken ;).


 



Aber auch andere interessante Herrenhäuser stachen eindrucksvoll ins Auge. Laut meinem Dad ist der Wein aus diesem Weingut weltberühmt.







Das Gebäude wird diesem Ruf jedenfalls gerecht, finde ich.

 Nach den hübschen Schlösschen im Städchen, ging es an den steilen Aufstieg auf den Höhenweg in Richtung der Wolfsburg-Ruine. Die Wolfsburg ist eine der kleineren Burgen im Pfälzer Wald, besitzt aber eine unvergleichlich schöne Aussicht.


Auch der Aufstieg ist ein Erlebnis. Im Frühjahr, wenn die Bäume noch kahl sind, bietet sich ein traumhafter Blick ins Tal. Auch wenn das für mich eine kleine Herausforderung darstellt. Ich bin nämlich praktischerweise auch mit ausgesprochener Höhenangst geschlagen. Aber mit ein bisschen Konzentration aufs Fotografieren waren die weichen Knie nur noch halb so tragisch.




Das Wetter hat zum Glück auch ein bisschen mitgespielt und uns einen sonnigen und regenfreien Tag beschert.

Leider hatte ich nur meine Handykamera zur Hand - ein unverzeihliches Versäumnis. Dafür habe ich mich dann  zu Hause bei Picasa etwas ausgetobt.



Nach etwa drei Kilometern trafen wir dann auf der Wolfsburg ein. Zeit für ein Gläschen Prosecco in der Ostersonne! :)
Und dabei den unglaublich schönen Ausblick zwischen den Bergen genießen. Hat ein bisschen was Magisches so über allen Dingen zu "schweben".
 Das, was von der Burg noch übrig geblieben ist, erinnert eindrucksvoll an "damals" vor sehr, sehr langer Zeit.
Vor 20 Jahren hätte ich hier gerne Prinzessin gespielt.

Nach dem Abstieg lockt dann die wunderschöne Abendsonne in die Weinberge. Und kurz vorm Ende des wundervollen Tages dann doch nochmal ein imposantes Haus. Könnte so auch in der Toscana stehen. Man wartet förmlich auf die Bertolli-Italienerin aus der Werbung, die einen hektisch zum Pasta-Essen hereinwinkt.







Die Essenseinladung blieb jedoch leider aus und uns blieb nur ein sehnsüchtiger Blick durchs den blauen Eisenzaun. Vielleicht ein andermal.







Zuhause hab ich mir dann noch verträumt ein Märchenbild mit dem Märchenschlossmotiv gebastelt. Selbst Disney könnte sich nicht ne schönere Märchenkulisse ausdenken.

Ich freue mich schon riesig auf die nächste Gelegenheit, in der Pfalz auf Streifzug zu gehen. In meiner Heimat nennt man die Pfalz auch gern, "die Toskana Deutschlands". Ein bisschen Toskana-Feeling habe ich auf jeden Fall mitgenommen.

Bis zum nächsten Mal,

Eure Panikkatze
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Sonntag, 29. März 2015

Eine Vorstellung

Hallo zusammen ...

... willkommen in meinem Blog! Schön, dass ihr da seid.
Kurz ein paar Worte dazu, wer ich bin und was ich hier zu fabrizieren gedenke.

Ich heiße Christina, bin aktuell 27 Jahre alt und von Beruf Redakteurin und damit auch Journalistin, was zwar momentan irgendwie verpöhnt ist, mir aber sehr viel Spaß macht. Ich lebe mit meinem drei Jahre jüngeren Freund zusammen auf 90 Quadratmetern in einer kuscheligen Maisonette. Außer uns wohnen hier noch drei Katzen. Die findens hier auch gut.





Besondere Leidenschaft hege ich fürs Lesen und Schreiben. Außerdem habe ich das große Ziel die ganze Welt zu bereisen. Also mindestens.
Dabei stehe ich noch ganz am Anfang der Reise. In der Zukunft sehe ich mich als reisende Schriftstellerin mit weißem Sand zwischen den Zehen und dem Notebook auf den Knien, den Rücken an einer Palme angelehnt und einen Cocktail aus einer Kokosnuss schlürfend. Wahlweise mit großem Strohhut.

Der Freund kennt und fürchtet meine Reiselust. Vom Reisende-Schriftstellerin-Masterplan weiß er noch nichts, aber ich fürchte er ahnt etwas. Das werden wir schon noch regeln.

Hier möchte ich einfach ein paar Kleinigkeiten und Großigkeiten aus meinem Leben teilen und für mich selbst aufschreiben. Dinge, die mir Freude bereiten, die mir den Tag gerettet haben, die mich faszinieren, meine Welt auf den Kopf gestellt haben, mir eine neue Perspektive eröffnet haben und mein Leben etwas bunter gemacht haben, über die ich nachdenke, die ich gerade genieße, die ich gerne hätte, die mich wahnsinnig machen, die ich witzig fand.
Können auch Menschen sein. Oder Tiere.

Eins noch: Warum "Panic-Cat"?

Inspiriert hat mich dazu eine meiner drei Katzen - die Kleinste, die Süßeste. Das Kätzchen ist furchtbar ängstlich. Wenn der böse Staubsauger kommt, kann es passieren, dass sie sich winzig klein mit großen Augen unter der Heizung versteckt und über Stunden nicht mehr raus kommt. Wenn der böse Staubsauger (oder der riesengroße Freund, oder der Fön, oder die Abzugshaube, oder die Klospülung ... ) nicht gerade für akute Panik sorgt, ist die Katze die verspielteste, verschmusteste und neugierigste Katze auf der Welt.

Das muss sie von mir haben, die Katze. Ich bin da nämlich ähnlich.
Dieses Jahr feiere ich zehnjähriges Panikattackenjubiläum und das ist doch mal einen Blog wert, finde ich. Seit zehn Jahren also gehören immer mal wieder aufkommende Panikattacken zu meinem Leben. Man hört ja immer mal wieder davon in Reportagen oder sonstigen Artikeln - diese Schicksalsberichte.
Ja - Panikattacken sind scheiße, wirklich. Aber kein Grund, um nicht trotzdem ein fantastisches Leben zu haben.

In meiner Panik-Karriere hab ich viele Bücher zu dem Thema verschlungen und eine ziemlich coole und hilfreiche Therapie durchlaufen. Ich habe schon viele Grenzen niedergerissen und habe in viele Abgründe geschaut.
Habe oft mit großen Augen unter der Heizung gekauert. Aber ich kann auch die guten Seiten des Lebens sehen und genießen. Und einem Leckerchen bin ich niemals abgeneigt.

So und jetzt husch ins Körbchen.

Eure Panic-Cat


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Dienstag, 17. März 2015

Zeit

Heute starb eine Frau direkt vor unserem Haus.
Hätte ich heute um 14 Uhr nicht in der Redaktion einen Kaffee getrunken und über meinem Artikel gebrütet, sondern wäre zu Hause in meinem Lesesessel gesessen und hätte zufällig aus dem Fenster gesehen, hätte ich den Unfall mit eigenen Augen gesehen.

Und ich kann nicht mehr aufhören daran zu denken, dass die Frau, die heute vor unserem Haus gestorben ist, heute morgen vielleicht genau wie ich müde und grummelig aus dem Bett aufgestanden ist. Vielleicht konnte sie auch ausschlafen und hat ausgeruht dem Tag entgegen gesehen.
Vielleicht hat sie noch halb im Schlaf die Kaffeemaschine angeschaltet, so wie ich. Oder sie ging ohne Frühstück aus dem Haus.
Vielleicht hatte sie gereizte Gedanken auf ihrem Weg zur Arbeit. Hat an die kleinen Nervigkeiten des Alltags gedacht, an die anstrengende Woche, die vor ihr lag. So wie ich.
Oder sie ist schwungvoll in den Tag gestartet und hat in sich hinein gelächelt.

Als ich um 13 Uhr in der Mittagspause auf der Parkbank saß, ein Buch las und mir das Gesicht von der warmen Sonne wärmen ließ, war die Frau noch am leben. Als ich mir um 14 Uhr meinen Nachmittagskaffee machte, war sie tot.
Direkt vor meinem Haus, wo ich heute morgen noch mit dem Fahrrad los gefahren bin und den Kopf voller Montagsgedanken hatte.

Drei Stunden später gab es eine neue Meldung in der Presse mit weiteren Details zum Unfallhergang. Die Öffentlichkeit hat erfahren, dass die Frau auf einem Fahrrad gesessen war und das ein LKW mit Sattelschlepper am Unfall beteiligt war. Dass es in einer Kurve geschah. Dass der hintere Teil des Sattelschleppers die Frau erfasst und vom Fahrrad geschleudert hat. Dass sie noch am Unfallort verstarb. Drei Stunden später war die Frau noch nicht identifiziert.
Irgendwo in der Stadt, irgendwo auf der Welt, waren ein Mann oder Kinder, eine Schwester, ein Bruder, eine Mutter, ein Vater, die alle irgendwelche belanglosen Montagsdinge machten und Montagsgedanken dachten und nicht wussten, dass ihre Frau, ihre Mutter, ihre Schwester, ihre Tochter gerade gestorben war. Dass sie nicht mehr auf dieser Welt war.
Seit drei Stunden.
Was bis zu diesem Zeitpunkt ungesagt geblieben ist, bleibt für immer ungesagt. Kein Abschied. Keine großen Gesten. Kein großes Kino.
Kein letzter Händedruck. Keine tröstliche Anwesenheit.
Keine gemeinsamen Augenblicke vor dem Nichts.

Abends dann Kerzen im Dämmerlicht. Und Blumen. An der Stelle, an der die Frau vor unserem Haus starb.
Und irgendwo ein Mann, ein Sohn, eine Tochter, eine Mutter, eine Schwester, ein Bruder, ein Vater, die nun wissen, dass die Frau für immer verschwunden ist.

Ich stehe in dieser Straße, auf der ganz normal die Autos fahren. Die Fahrräder. Wo die Fußgänger die Straße überqueren. Manche bei Grün, manche rennend bei Rot. Alles wie zuvor. Alles wie es gestern war.
Bis auf drei rote Kerzen und Blumen.

Und ich bin plötzlich traurig und dankbar zugleich.
Plötzlich dankbar für die schlaflose Nacht.
Schlaflos, weil du und ich so lange über unseren kindischen Disput geredet haben, bis wir aufhören konnten uns kleine Gemeinheiten an den Kopf zu werfen, uns gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben, uns zu versöhnen und einzusehen, dass der Grund für den Streit nicht wichtig war.
Ein trotziger Gute-Nacht-Kuss. Und dann eine kurze Nacht.

Ich weiß, ich gehe dir oft auf die Nerven mit meinen Ich-liebe-Dichs. Meinen Umarmungen, meinen Küssen, meinen Kosenamen. Du denkst, ich will dich ärgern, wenn ich dich von der Seite unaufhörlich anstarre, während du Videospiele zockst. Aber ich sammle Momente.
Ich sammle Momente und Wörter und gute Gedanken. Weil ich Angst habe irgendwann diese Frau zu sein. Und alles bliebe ungesagt, was ich dir vielleicht sagen will. Manche Umarmung bliebe unumarmt. Mancher Kuss ungeküsst. Vergeudete Gelegenheiten. Verspielte Zeit.

Wir haben Angst vorm Altwerden. Überlegen uns Strategien, wie wir die Jugend erhalten können. Altern ist Tabu.
Aber wie gerne würde man doch so richtig, richtig alt sein. Faltig und runzlig wenns sein muss. Aber alt und zusammen. Wenn man im Gegenzug nur nicht zur falschen Zeit an einem falschen Ort in einem unaufmerksamen Augenblick in einer Kurve aus dem Leben geschleudert werden würde. Wenn mir jemand garantieren könnte, dass ich nie auf der einen oder anderen Seite stehen müsste, dann würde ich mit Freuden die älteste alte Oma mit grauen Haaren und Falten und Runzeln werden, die es gibt.

Und wenn du dann an meiner Seite stündest. Als alter, faltiger, runzliger Opa mit dickem Bauch und Stoppelkinn und ich dir immernoch ständig "Ich liebe dich" sagen, dich umarmen, dich küssen kann, auch wenn es dich nervt. Wir dann immernoch über Kleinigkeiten streiten und nicht eher das Licht ausmachen, bevor wir den Streit nicht geklärt und uns einen Gute-Nacht-Kuss gegeben haben.

Dann hätten wir doch verdammt großes Glück gehabt.


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Coco Caramba

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